Bestätigungsfehler

Kurz gesagt: Der Bestätigungsfehler ist die Neigung, Informationen so zu suchen und zu deuten, dass sie die eigene Überzeugung stützen. Er ist in vielen Formen gut belegt. In Daten einer US-Anlegerplattform folgten Nutzer, die auf steigende Kurse setzten, fünfmal häufiger Gleichgesinnten als Nutzern mit der Gegenmeinung.

Woran erkennst du den Bestätigungsfehler im Depot?

Am deutlichsten daran, was du nach einem Kauf liest. Du suchst nach dem Namen deiner Aktie und klickst auf die Überschriften, die dir recht geben. Eine schlechte Nachricht ist „nur Rauschen“, eine gute ist „das Signal“. In Foren, Gruppen und Feeds folgst du vor allem Leuten, die dieselbe Position halten.

Ein Prüfstein: Kannst du den stärksten Grund gegen deine Position in zwei Sätzen so formulieren, dass jemand mit der Gegenmeinung zustimmen würde? Wenn dir das schwerfällt, hast du ihn vermutlich nie ernsthaft gesucht.

Was sagt die Forschung zum Bestätigungsfehler?

Der Psychologe Raymond Nickerson hat 1998 zusammengetragen, in wie vielen Formen dieser Fehler auftritt: bei der Suche nach Informationen, bei ihrer Deutung und bei der Erinnerung. Das Phänomen selbst ist gut belegt. Ob es sich durch Training verringern lässt, war damals wenig erforscht; in den Studien, die er zitiert, verbesserte das gezielte Suchen nach Gegengründen und anderen Erklärungen die Urteile.1

Für Anleger gibt es einen aufschlussreichen Feldbefund. Auf der US-Plattform StockTwits tauschen sich Nutzer über einzelne Aktien aus und geben an, ob sie steigende oder fallende Kurse erwarten. Wer sich als Optimist für eine Aktie einordnete, folgte fünfmal häufiger anderen Optimisten derselben Aktie als Pessimisten. Über 50 Tage sahen diese Nutzer im Schnitt 62 optimistische Nachrichten mehr und 24 pessimistische weniger.2 Solche Echokammern fanden sich auch bei Nutzern, die sich als Profis bezeichneten, und waren bei denen am stärksten, die auf ihre Meinung hin handelten.3

Die Daten stammen von einer einzigen Plattform, auf der aktive Trader überrepräsentiert sind. Sie zeigen einen Zusammenhang, keinen Schaden für das einzelne Depot.

Wann ist es gar kein Fehler?

Eine Überzeugung zu haben und bei ihr zu bleiben, ist kein Denkfehler. Wer einen breit gestreuten Sparplan aus guten Gründen angelegt hat, muss nicht jede Woche nach Argumenten dagegen suchen. Auch Informationen zu filtern ist nötig; niemand kann alles lesen. Der Fehler beginnt dort, wo Gegenargumente keine faire Chance mehr bekommen, obwohl eine Entscheidung ansteht, die sie betreffen: ein Nachkauf, ein Verkauf, eine größere Position.

Was hilft gegen den Bestätigungsfehler?

Kurz gefragt

Trifft es auch kluge Leute? Ja. Die Neigung ist nicht auf wenig gebildete oder unkritische Menschen beschränkt; sie betrifft auch Fachleute.1 Wie eng der Bestätigungsfehler mit dem Gefühl zusammenhängt, mehr zu wissen als andere, beschreibt der Eintrag Selbstüberschätzung.

Verstärken soziale Medien den Effekt? Die Plattformdaten zeigen, dass Anleger sich dort ihre Umgebung selbst zusammenstellen.2 Worauf du bei Finanzinhalten im Netz achten kannst, steht im Artikel Kann ich Finfluencern vertrauen?

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Dieser Lexikon-Eintrag gehört zur Recherche für das Buch „Der Markt kennt deinen Kaufkurs nicht“ über Börsenpsychologie. Er vermittelt allgemeine Finanzbildung und ist keine Anlageberatung.

Quellen

  1. A-KV-1b27 · NICK1998 – Nickerson (1998), Review of General Psychology 2(2), S. 175, 210–211. Stand 1998; Gegenmaßnahmen nur referiert.
  2. A-AU-210 · COOK2023 – Cookson, Engelberg & Mullins (2023), Review of Financial Studies 36(2); Zahlen in der Zusammenfassung der Zeitschriftenfassung bestätigt.
  3. A-AU-211 · COOK2023, Zusammenfassung. Selbstauskunft „Profi“ auf der Plattform.
  4. A-IN-306 · SELL2019 – Sellier, Scopelliti & Morewedge (2019), Psychological Science 30(9), S. 1374–1375. Relative Angabe 2020 korrigiert; Wortlaut der Korrektur nicht gelesen.
  5. A-IN-305 · MORE2015 – Morewedge et al. (2015). Kein Finanzkontext.
  6. A-IN-322 · VEIN2020 – Keysor, Wojtyna & Veinott (2020), Poster SJDM. Sehr kleine Stichproben.