Ergebnisverzerrung (Outcome Bias)

Kurz gesagt: Ergebnisverzerrung (Outcome Bias) heißt, eine Entscheidung nach ihrem Ergebnis zu bewerten statt nach dem, was man vorher wissen konnte. In Experimenten bewerteten Menschen dieselbe Entscheidung bei gleicher Informationslage besser, wenn der Ausgang günstig war, obwohl sie selbst sagten, das Ergebnis solle keine Rolle spielen.

Woran erkennst du Ergebnisverzerrung im Depot?

An Urteilen, die sich nur nach dem Kurs richten. Eine Aktie ist gestiegen, also war der Kauf „richtig“. Ein Fonds ist gefallen, also war er „ein Fehler“. Ein Freund hat mit einer riskanten Wette gewonnen, also hat er „gut entschieden“. In all diesen Sätzen fehlt die eigentliche Frage: Was war zum Zeitpunkt der Entscheidung bekannt, und war die Entscheidung auf dieser Grundlage vernünftig?

An der Börse ist die Verzerrung besonders naheliegend, weil Ergebnisse so stark vom Zufall abhängen. Ein Kurs kann aus Gründen steigen oder fallen, die mit deinen Überlegungen nichts zu tun haben.

Was sagt die Forschung zur Ergebnisverzerrung?

Den Begriff prägten Jonathan Baron und John Hershey 1988. Sie legten Teilnehmenden Fallbeschreibungen vor, in denen die Informationslage jeweils gleich war, der Ausgang aber verschieden. Die Teilnehmenden bewerteten die Entscheidung besser, wenn sie gut ausgegangen war, auch wenn sie selbst angaben, das Ergebnis solle bei der Bewertung keine Rolle spielen.1 Die Stichproben waren klein und studentisch, und es ging nicht um Depots. Als Laborphänomen gilt der Befund aber als gut belegt.

Die Autoren halten fest, dass es nicht genügt, die Verzerrung zu verstehen, um ihr zu entgehen. Sie schlagen vor, schlechte Ergebnisse aus der Perspektive des Entscheidungszeitpunkts neu zu analysieren.2 Ob das wirkt, haben sie nicht getestet.

Wie leicht Ergebnisse in die Irre führen, zeigt eine einfache Modellrechnung. Angenommen, 1.000 Anleger ohne jedes Können haben in jedem Jahr eine Chance von 50 Prozent, den Markt zu schlagen, unabhängig vom Vorjahr. Dann liegen nach fünf Jahren im Mittel etwa 31 von ihnen in jedem einzelnen Jahr vorn.3 Diese 31 haben eine beeindruckende Bilanz und keinerlei Vorsprung. Ähnlich vorsichtig sind Renditen aus Anlegerbefragungen zu lesen, die in eine starke Aufwärtsphase fallen: Sie sagen wenig über die Qualität der Entscheidungen.4

Wann ist es gar kein Fehler?

Ergebnisse sind nicht wertlos. Nach Baron und Hershey kann ein Ergebnis legitim informativ sein, wenn man die Umstände der Entscheidung nicht vollständig kennt.5 Wenn eine Methode über viele Entscheidungen hinweg immer wieder schlecht abschneidet, sagt das etwas über die Methode. Der Fehler liegt im Übergewicht eines einzelnen Ergebnisses, nicht darin, Ergebnisse überhaupt zu beachten.

Was hilft gegen Ergebnisverzerrung?

Kurz gefragt

Was ist der Unterschied zum Rückschaufehler? Die Ergebnisverzerrung betrifft die Bewertung der Entscheidung, der Rückschaufehler die Frage, wie vorhersehbar das Ergebnis war.

Warum fühle ich mich trotzdem schlecht, wenn eine gute Entscheidung schiefgeht? Das ist normal und kein Beweis für einen Fehler. Wie du damit umgehen kannst, steht im Artikel Gut entschieden und trotzdem ein schlechtes Gefühl?

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Dieser Lexikon-Eintrag gehört zur Recherche für das Buch „Der Markt kennt deinen Kaufkurs nicht“ über Börsenpsychologie. Er vermittelt allgemeine Finanzbildung und ist keine Anlageberatung.

Quellen

  1. A-KV-1b21 · BARO1988 – Baron & Hershey (1988), Journal of Personality and Social Psychology 54(4), S. 569, 578.
  2. A-KV-1b22 · BARO1988, S. 578. Vorschlag der Autoren, nicht getestet.
  3. A-GK-402 · Eigene Modellrechnung (1.000 × 0,5⁵ = 31,25).
  4. A-DEU-206 · DIWE2022 – Kritikos, Handrich et al. (2022), Studie im Auftrag von Trade Republic, S. 3 inkl. Fn. 2. Einordnungshinweis.
  5. A-KV-1b23 · BARO1988, S. 578.